Bäckerei Knippschild
Ca. 50er und 60er Jahre
Die Bäckerei befand sich in der Schulstraße, heute Teichstraße 17 (siehe Foto rechts aus 2010)
Beschreibung aus den 50er und 60er Jahren von Werner Gerhold (2010) Fritz Knippschild betrieb mit seiner Frau einen kleinen Bäckerladen im Unterdorf. Das Warensortiment beschränkte sich auf die üblichen 2 bis 6 Pfünder Brote, Brötchen, Zuckerwecke und Amerikaner; hin und wieder gab es auch flachen Kuchen in Abhängigkeit mit der zur Zeit reifen Früchten. Der Verkaufsraum war relativ klein ausgefallen. Die Brote wurden auf einem Holzregal angeboten vor dem ein kleiner Verkaufstresen aufgebaut war. Die Backstube selbst war ein schmaler Schlauch, in dem das Herzstück - der Ofen - im hinteren Bereich untergebracht war. Das einzige Hilfsmittel war eine große Rühr- und Knetmaschine, die fast den ganzen vorderen Raum einnahm. In der Mitte des Raumes stand das Knetfass und ein Tisch, auf dem Fritz Knippschild mit hochgekrempelten Ärmeln dem Teig die richtige Form gab.
In den 50er Jahren haben wir das Brot alle 14 Tage noch selbst gebacken. Danach hat Fritz Knippschild für uns gebacken. Meine Eltern stellten das Mehl und mussten somit nur den Backlohn bezahlen, das war für ein 6 Pfünder 60 Pfennige.
Wir Kinder haben gern das frische Brot vom Bäcker abgeholt, weil es dort auch kleine Süßigkeiten zu erwerben gab, aber das Schmackhafteste waren die aufgerissenen Brote, die wir - wenn vorhanden -extra eingefordert hatten. Auf dem Nachhauseweg wurden die knusprigen Stücke herausgebrochen und verzehrt. Daheim angekommen gab es etwas um die Ohren, aber das war uns die Sache wert.
Um mobil zu sein, hatte Fritz Knippschild einen kleinen BMW Dixi. In den 60 er Jahren hat er das Auto abgemeldet und ohne es zu nutzen auf dem Hof abgestellt. Die größeren Jungen im Dorf besorgten sich Benzin und dann ging es mit Muskelkraft ab in den Wiesengrund. Erst am Dorfrand wurde das Auto angeschoben, dann ging es bei Mondenschein mit dem Dixi durch die Altenstädter Gemarkung. Die Mondscheinfahrten wurden von Jahrgang zu Jahrgang weitergereicht; auch ich kam in den Genuss, mal einen BMW zu fahren.
Erinnerungen von Rüdiger Löber (2011) Bäcker Knippschild war Ende der 50er Jahre fortschreitend gesundheitlich eingeschränkt. Als Kinder durften wir ihm bei der Arbeit in der Backstube zusehen - ich war erstaunt, wie er trotz Behinderung die Backbleche mit mehreren Broten zum Ofen trug. Nachdem er den Betrieb einstellte, diente der Laden mehrere Jahre als Verkaufsraum für die Naumburger Bäckerei Schmidt (“s’Schmidtchen”, wo Frau Spohr bediente (die Jungen waren auch oft dabei). Das Sortiment wurde stark erweitert und es gab auch Süßigkeiten, was das Brotholen dann für uns Kinder sehr attraktiv machte. Jedesmal im Advent baute Bäcker Schmidt ein großes Lebkuchenhaus, das auf dem Tresen stand - nach Weihnachte durfte es geplündert werden. Später backte Frau Knippschild dann noch gelegentlich Kuchen für Nachbarn.
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